THIS IS #1 - ACT TWO: ABYSSES

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“Noch einen!”

“Hast du nicht schon genug?”

“Ich sagte noch einen!”

“Ok Samuel, ich bin raus. Wir sehen uns morgen”

Mein Name ist Samuel, ich bin 41 Jahre alt und arbeite in einem Büro in dieser gottverdammten Stadt. Ich bin alleine. Keine Frau. Kein Kind. 

Kein Kind. 

Es geschah vor einem Jahr. Mein geliebter Sohn Josh wurde auf dem Weg zur Schule angefahren. Seine Verletzungen waren so schwer, dass er ihnen kurz darauf erlag. Josh war erst neun. Er hatte endlich Freunde gefunden, mit denen er morgens immer zur Schule ging.

An diesem Morgen im Februar erlitten seine Freunde wohl den Schock ihres Lebens. Das Schwein beging Fahrerflucht und lies den Jungen blutüberströmt auf der kalten Straße zurück. Fußgänger riefen den Rettungswagen, doch es war zu spät für meinen Sohn. Zu spät für Josh.

“Das ist dann aber wirklich dein Letzter, wir machen bald zu” sagte die kräftige, rothaarige Barkeeperin.

“Alles klar, Ava” ich lallte schon.

Ich trank das Glas aus und ging in die kalte Nacht hinaus. Bis vor einem Jahr hätte ich mich niemals in einer solcher Gegend wie dieser hier herumgetrieben, doch ich war es einfach leid, den Schein zu wahren und tagtäglich lächeln zu müssen. 

Schon bald spürte ich den ganzen Alkohol und so ging ich zum Hinterhof des Pubs und erleichterte mich dort zwischen den stinkenden Mülltonnen. Wenn Kathryn mich so sehen würde. Oder Josh. Er wäre wahrscheinlich von seinem Vater angewidert.

Ich weiß nicht mehr, wie ich an diesem Tag nach Hause kam aber am nächsten Tag meldete ich mich auf der Arbeit krank. Zu sehr war ich von der letzten Nacht verkatert.

Irgendwann um 2 Uhr mittags stand ich dann unter fürchterlichen Kopfschmerzen auf. Mein erster Weg führte mich ins Bad. Wie ich aussah.

Es klingelte an der Tür.

“Na, du Partyhengst, wie geht es dir?” Ein schwarzer Mann stand vor der Tür, ich sah ihn nur schemenhaft aber ich erkannte seine Stimme.

“Ach, sei doch still” erwiderte ich auf Jackson’s Sarkasmus.

Wir setzten uns in die Küche, in der sich das dreckige Geschirr häufte. Ich nahm den Gestank mittlerweile nicht mehr wahr aber ich konnte Jackson’s angewiderten Blick durchaus verstehen.

“Wann hast du hier das letzte Mal den Abwasch erledigt?”

“Ich kann es dir nicht sagen” ich schämte mich.

Jackson war zwar ein vorlauter Macho, der meist voreilig handelte aber ich konnte in seinem Gesicht erkennen, dass er sich Sorgen machte. Er machte sich Sorgen um mich. Mein Leben besteht nur noch aus Arbeit und Schlaf. Manchmal flüchtete ich in Angst vor meinen Abgründen in eine Bar und betrank mich dort. In der Zeit nach Josh’s Tod, dem Verlust meines einzigen Lebensinhalt, wurde ich in Ava’s Pub zu einer Art Stammgast.

“Uel, Hey Samuel?” ich war mit den Gedanken nicht mehr in meiner dreckigen Küche gewesen.

“Ja?”

Was muss mein Kumpel von mir gedacht haben?

“Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dir Hilfe zu suchen?” Jackson starrte mich mit glasigen Augen an.

“Was meinst du damit?”

“Naja, du könntest Sonderurlaub beantragen und zu einem Psychologen gehen, der dir bei deiner Trauerbewältigung hilft.”

“Und du glaubst, dass Ferrington das genehmigen würde?” Ich war mir nicht sicher, ob das meinem Chef so in den Kragen passen würde.

“Das muss er sogar!”

Wir sprachen noch etwas über die Arbeit und dann verabschiedete ich Jackson an der Tür. Ich war noch einen Tag krank gemeldet.

Als ich dann über die Worte von Jackson nachdachte, dachte ich auch über die Reaktionen in meinem Umfeld nach. Würde man mich für verrückt halten? Könnte ich danach noch unter die Kollegen treten? Ich wusste es nicht.

Ich hatte nachts diesen Traum, dass ich auf der anderen Straßenseite stehe und sehe, wie dieser Irre auf meinen Sohn zufährt. Ich stehe dort. Ich kann mich nicht bewegen. Ich höre den Knall und die Schreie von Josh’s Freunden. 

Jedes Mal fahre ich aus dem Schlaf hoch, schweißgebadet und nervlich völlig am Ende. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Jackson mag vielleicht Recht haben, dass ich professionelle Hilfe brauche, um wieder normal leben zu können aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das überhaupt noch selbst möchte. Dass ich mein Leben beende.

Es fröstelte mich und so ging ich wieder zurück in mein warmes Bett. An diesem Tag stand ich nicht mehr auf. Doch Ruhe fand ich keine.

Die Schreie der Kinder, all das Blut. Ich stand wieder an diesem Straßenübergang.

Schweißgebadet und schreiend fuhr ich aus dem Schlaf. 1:38 Uhr. Es war wieder der gleiche Traum. Nachdem ich mich im Bad etwas erfrischt hatte, ging ich in dieser sternenklaren Nacht auf den Balkon. Vor mir lag die in schwarz gekleidete Stadt. Man konnte die Sirenen der Polizei hören.

Ich dachte über so viele Sachen nach. Ich dachte an Christie. Der Tod von Josh hatte sie schwer getroffen. Zusammen mit ihren Eltern verließ sie die Stadt und von da an habe ich nichts mehr von ihr gehört. Hoffentlich geht es ihr dort, wo sie jetzt lebt gut. Hoffentlich wurde sie an einer Universität angenommen. Sie war wie eine Tochter. Eine Tochter, die mir ebenso sehr fehlte wie mein Sohn. Und Kathryn.

In dieser Nacht war es recht frisch draußen und so zog es mich bald schon wieder zurück ins Warme. Ich versuchte noch ein wenig zu schlafen.

Der Wecker klingelte schon sehr früh. Früher als mir lieb war. Ich merkte, dass meine Alpträume mich auch diesmal wieder sehr müde aussehen haben lassen. An der U-Bahn traf ich mich dann mit Jackson, wie jeden Morgen.

“Hey Samuel, alles fit?” fragte er mit einem breiten Grinsen. Manchmal war ich wirklich erstaunt, dass er zu solchen Uhrzeiten so munter sein konnte.

“Ich und fit, das glaubst du doch nicht wirklich oder?” Jackson’s Gesicht wurde wieder ernster. Er sah mich mit dem selben sorgenvollen Blick wie gestern Mittag an.

“Wieder dieser Traum?”

Ich nickte.

Auf der Fahrt zur Arbeit sprach er wieder auf mich ein, ich solle mir doch Hilfe suchen. Doch ich hörte ihm nur halbherzig zu, zu sehr musste ich wieder an den Straßenübergang und die Kinder denken.

“Uel, Samuel?” ich war wieder in Gedanken gewesen. Ich stand mittlerweile im Büro. “Mr. Ferrington  möchte mit dir sprechen.” Es war Beth, eine Arbeitskollegin. 

Ich kam den Wunsch meines Chefs nach und klopfte vorsichtig an dessen Bürotür. Ich hoffte, dass er seinen Frust von Zuhause nicht wieder mitgebracht hatte. 

“Ah Samuel, wie geht es Ihnen?” Er wirkte freundlich. Zumindest freundlicher als sonst.

“Danke Sir, mir geht es gut. Was kann ich für Sie tun?”

“Wissen Sie Samuel, ich möchte mit Ihnen über Ihre häufigen Ausfälle in letzter Zeit sprechen.” Ich erkannte langsam, was er vorhatte.

“Sie haben alleine im letzten Monat 8 mal gefehlt, gibt es irgendetwas, das ich wissen sollte?”

Ich hatte Mr. Ferrington bisher nichts von Josh’s Tod erzählt und hatte es eigentlich auch nicht vor. Auch unter den Kollegen sprach man nicht mehr darüber. Schließlich ist das jetzt etwas mehr als ein Jahr her.

“Nein Sir.”

“Samuel, ich muss hiermit eine Abmahnung gegen Sie aussprechen.” Dieses freundliche Verhalten war mir fast unheimlich.

“Ich verstehe Sir, ich bitte um Verzeihung.” 

Ferrington entließ mich. Ich hatte bisher immer ordentlich gearbeitet und dachte, dass mich eine solche Abmahnung härter treffen würde aber ich spürte nur Gleichgültigkeit.

“Und, was wollte Ferrington von dir?” fragte Jackson in der Mittagspause. Er war einer von der neugierigen Sorte aber da auch er immer offen mit mir war, wenn er Mist gebaut hatte, erzählte ich ihm von meiner Abmahnung.

“Du hättest ihm endlich die Geschichte mit Josh erzählen und Sonderurlaub beantragen sollen.” Er machte wieder einen auf Besserwisser. Ich wusste, dass er es nur gut mit mir meinte aber ich konnte ihn diesbezüglich einfach nicht mehr hören.

Wir aßen diesen Mittag bei dem Diner, in das wir so oft gingen, wenn wir Hunger auf Deftiges hatten.

“Weißt du Samuel, es sind nicht nur die Frauen, weshalb ich ins Fitnessstudio gehe, es sind auch diese Köstlichkeiten hier” Jackson sprach während er aß. Ich war etwas angeekelt von dem Bild, was sich mir da bot.

“Weißt du Jackson, ich könnte heute Abend einen kleinen Drink vertragen, würdest du mit mir zu Ava gehen?” innerlich wusste ich schon die Antwort.

“Gerne aber denk daran, wir müssen morgen wieder früh raus” wir packten unsere Sachen und gingen wieder ins Büro.

Nach Feierabend fuhren wir mit dem Zug in Richtung Lower Side. Die Gegend war das erbärmlichste Stückchen Land in der ganzen verdammten Stadt. Doch ich hatte mit Ava jemanden gefunden, der vom Leben mit Weisheit beschenkt wurde und mir Ratschläge in dieser schweren Zeit gab. Aber es waren nicht nur die Ratschläge der Barkeeperin, die schon so manches Leid hatte hören müssen. Nein, es war auch der Alkohol. Er holte mich aus dem dunklen Loch, ließ mich vergessen.

“Hallo Ava, wie geht es dir?” man hätte nicht gedacht, dass ich an diesem Tag eine Abmahnung von meinem Chef bekommen hatte.

“Ah Samuel, schon zu dieser frühen Stunde hier?” sie stellte mir einen meiner Drinks auf die Theke. 

Wir sprachen über die Arbeit, über Ferrington, dessen gescheiterte Ehe und über so manch lustigen Fehltritt Jackson’s gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Ava fand an letzterem Thema immer besonderen Gefallen.

Als es dann 22:00 Uhr war, fragte Jackson, ob wir nicht besser gehen sollten, damit wir morgen auch ja nicht zu spät kämen. Er konnte sich einen spöttischen Unterton nicht verkneifen, als er das sagte. 

“Ich bleibe noch etwas” ich verabschiedete mich von meinem Arbeitskollegen.

Ava füllte mein Glas immer wieder nach. Mit später Stunde kamen auch immer mehr Leute in den kleinen Pub. Es wurde bald schon etwas eng.

Irgendwann war da dieses junge Ding. Sie erinnerte mich etwas an Kathryn. Doch von ihren Bewegungen her war sie viel wilder. Sinnlicher.

Ich hatte seit Kathryn’s Tod keine Frau mehr und ich wollte auch nicht, dass sich  irgendjemand zwischen mir und Josh stellte.

Ich war fasziniert von dieser jungen Frau und der Geruch von Alkohol und Tabak benebelte schon langsam meine Sinne. Die Gleichgültigkeit von heute Mittag war wieder da.

Am nächsten Morgen wachte ich verkatert auf. Neben mir eine nackte junge Frau. Was war passiert. Oder noch viel wichtiger wo war ich. Es musste ihre Wohnung sein. Ich schaute auf die Uhr. 10:38. Mist, ich habe verschlafen. Scham. 

Ich sprang unter die Dusche, damit auf der Arbeit niemand Wind davon bekäme, wo ich mich die letzte Nacht herumgetrieben hatte. Zugegeben, in diesem Moment in meinem Leben war ich wirklich unruhig. Denn ich wusste, dass ich meinen Job verlieren würde, wenn nicht noch ein Wunder geschehen würde.

Als ich dann schließlich auf der Arbeit ankam, sagte man mir, dass der Chef heute nicht da sei. Das Schicksal meinte es an diesem einen Tag doch noch gut mit mir.

“Was hast du getan?” Jackson starrte mich mit großen Augen an, als ich ihm den Grund für meine Verspätung nannte.

Ein normaldenkender Mensch hätte mich gefragt, was das soll aber Jackson dachte manchmal ja nicht wie ein normaler Mensch.

“Und, wie war es?” mir war dieses Verhör sichtlich unangenehm.

“Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Sie war bestimmt erst Mitte Zwanzig”

Die Tatsache, dass ich mich nicht mehr an die gestrige Nacht erinnern konnte, enttäuschte meinen Kumpel. Mich dagegen beschämte sie zutiefst. Wieder einmal mehr stellte ich mir vor, dass sich Kathryn und Josh vor dem ekeln würden, was aus mir geworden war.

“Weißt du eigentlich, was mit Mr. Ferrington ist?” Ich stellte diese Frage auch, um vom Thema abzulenken.

“Die Kollegen meinen, dass seine Frau die Scheidung eingereicht hätte und das Ferrington deshalb nicht kommen würde”

Die Ehe war angeblich eh nur noch zum Schein aufrecht erhalten worden. Ich musste an meine Ehe denken. Bei uns wäre so etwas nie passiert. 

Der restliche Arbeitstag verlief ansonsten sehr entspannt. Keiner wurde von Ferrington unter Stress gesetzt und so konnte man auch dementsprechend nicht angesteckt werden. 

Doch ich musste immer wieder an die letzte Nacht denken und entschloss mich deshalb, noch einmal den Pub zu besuchen.

“Mach’s gut Samuel, wir sehen uns morgen” ich verabschiedete mich von meinem Kumpel.

Ich fuhr um kurz vor neun mit der U-Bahn in die Lower Side, um endlich mehr über die junge Frau zu erfahren, neben der ich heute morgen aufgewacht war.

“Hey Ava” ich begrüßte die kräftige Barkeeperin.

“Na, hattest du gestern noch eine lange Nacht?” begrüßte sie mich und machte mich direkt auf meinen Fehltritt aufmerksam.

“Deshalb bin ich hier Ava. Weißt du noch, was gestern Abend passiert ist?”

“Naja, du hattest schon ordentlich gebechert und dieses Mädchen angebaggert” sie gab einem Stammkunden am Tresen, Larry, noch ein Bier und setzte fort.

“Ich meine, was ist schon dabei? Du hattest so lange keinen Spaß mehr und keiner wird es dir verübeln”

Ich ekelte mich vor den Worten Ava’s und verließ den Pub auf der Stelle.

“Aber Samuel, wo gehst du hin?”

Es war kein gutes Gefühl, benutzt zu werden, ich kannte es. Und doch hatte ich dafür gesorgt, dass jemand das selbe fühlen musste wie ich. 

Ich ging durch die kalten Straßen der Lower Side und betrachtete das Leben in ihnen. Im Winter war dort zwar nicht so viel los wie sonst aber die, die dort immer waren, weil sie nichts hatten, saßen einfach nur dort. Als würden sie die Kälte nicht spüren. Ich gab einem Einsamen von ihnen, der etwas abseits saß, einen Geldschein. Er bedankte sich bei mir und ich wusste, dass ich an diesem Tag doch noch etwas Gutes getan hatte. Auch wenn ich den Rest immer noch bereute.

Die Gebäude waren über und über mit Graffiti versehen. Viele bunte Bilder färbten die grauen Mauern.

Josh hätte sich in einer solchen Gegend gefürchtet. Und ich bis vor Kurzem auch noch. Ich wurde eins mit den Straßen der Lower Side und ich wusste, dass es an dem klaffenden Abgrund in meinem Inneren lag. 

Ich entschloss mich nach Hause zu gehen. Mit der U-Bahn wollte ich fahren. Dann sah ich es. Ein paar Jugendliche traten auf einen Einzelnen ein.

“Lasst ihn in Ruhe” schrie ich. Doch sie hörten nicht auf.

Ich rannte auf die Gruppe zu und schubste die Jungen von dem sich am Boden krümmenden Opfer weg.

“Was ist euer Problem” ich schrie sie an. Das Fitness-Studio hatte doch etwas gebracht. Die Gruppe schien eingeschüchtert und rannte bald weg.

“Geht es dir gut?” Ich half dem pummeligen Jungen auf die Füße. Er blutete im Gesicht. Es tat mir weh, ihn so zu sehen.

“Danke Sir, dass Sie mir geholfen haben. Ich hoffe ich habe Ihnen keine Umstände bereitet” ich sah Tränen in seinen Augen.

“Wie heißt du?” ich wusste nicht, was ich sagen sollte und so viel mir dies als erstes ein.

“Mein Name ist Michael” er zitterte noch immer.

“Soll ich irgendjemanden anrufen, damit man dich abholen kann?” 

“Nein Sir, das brauchen Sie nicht” er hatte sich beruhigt.

Ich schrieb ihm meine Nummer auf einen Zettel, den ich aus meiner Tasche gekramt hatte.

“Ruf mich an, wenn du Hilfe brauchst!”

Der Junge gab mir seine Hand und bedankte sich noch einmal bei mir. Dann ging er.

Er erinnerte mich an Josh. Er war zwar älter aber er erinnerte mich dennoch an meinen Sohn. Das war auch der Grund, weshalb ich ihm meine Nummer gab. In dieser Nacht hatte ich nun zwei Menschen geholfen aber auch einem unendlich geschadet. 

Ich wollte einfach nur noch nach Hause, mich in mein warmes Bett legen.

Den Tag darauf werde ich wohl nie vergessen.

Der Mann, der mir mein letztes Stück Familie nahm wurde auf Bewährung frei gelassen. Ich wusste, dass er aus einer Familie stammt, die großen Einfluss auf viele Bereiche dieser verdammten Stadt hatte aber das dieser Einfluss bis zum Gericht reichen würde, hätte ich mir bisher nicht träumen lassen.

Auch die Medien hielten sich ungewohnt bedeckt, was den Fall betraf, weshalb auch nur wenige von Josh’s Tod wussten.

Ich rief auf der Arbeit an und sagte, dass ich aus familiären Gründen nicht kommen könnte. Es war, als wäre jeglicher Sinn, mein elendes Leben fortzusetzen von einer auf die nächste Sekunde verloren gegangen.

Nach Josh’s Tod schwor ich mir, das Schwein auf ewig hinter Gitter zu bringen. Dabei hatte ich die ganze Zeit über Angst davor, dass der Typ vielleicht nur 5 Jahre oder so bekommt aber mit Bewährung hätte ich niemals im Leben gerechnet.

Was sollte ich nur tun. Ich wusste es nicht. Wenn es wirklich einen Gott geben sollte, wo war dieser, als man mir an diesem Tag erneut ein Stück meines Herzens aus der Brust riss? Das letzte Stück.

Irgendwann am frühen Nachmittag brach ich zusammen.

Ich kann nicht sagen, wie lange ich auf dem Boden meiner Küche lag aber es war auf jeden Fall schon dunkel, als ich wieder zu mir kam.

Am Kiosk um die Ecke, den ich sonst immer gemieden hatte, kaufte ich mir etliche Flaschen Alkohol. Whiskey. Wodka. Schnaps. An diesem Abend wollte ich meinem Leben ein Ende setzen.

Ich hörte ein regelmäßiges Piepen. Langsam öffnete ich die Augen. Wo war ich?

Meine Augen suchten angestrengt nach Anhaltspunkten, wo ich hätte sein können, doch sie fanden nur die Fremde. An meinem Arm entdeckte ich eine Kanüle. Ich hing an einem Tropf. 

Irgendwann kam eine Schwester in mein Zimmer.

“Schön, dass Sie wach sind. Wie geht es Ihnen?” sie lächelte.

“Wo bin ich?” ich wollte mich noch einmal vergewissern.

“Sie sind vorgestern morgen eingeliefert worden, als ein Arbeitskollege sie reglos in Ihrer Wohnung aufgefunden hat. Sie haben eine Alkoholvergiftung erlitten.” 

Die Krankenschwester schaute noch einmal auf die elektrischen Geräte, mit denen ich verbunden war und verließ anschließend den Raum.

Ich fühlte mich an diesem Tag einsamer denn je. Eine Krankenschwester kam zwar alle paar Stunden in mein Zimmer und schaute nach den Werten aber die Momente, in denen jemand vorbeikam, fühlten sich nur wie Sekunden an. Der Rest der Zeit, wenn ich alleine war, zog sich dagegen ins Unendliche.

Doch das Schlimmste sollte mich noch erwarten. In der Nacht hatte ich wieder fürchterliche Alpträume. Ich sah diesen Mann, wie er lachte, immer und immer wieder. Schweißgebadet fuhr ich aus dem Bett. 

Man hatte mir alles genommen, doch keiner sprach das Urteil, das dieses Schwein verdient hatte. Keiner. 

Wieder sah ich die Straßenkreuzung, die schreienden Kinder, all das Blut. Dann musste ich daran denken, wie Josh immer mit Christie gespielt hatte. Gelacht hatte. 

In dieser Nacht konnte ich nicht mehr schlafen.

Am nächsten morgen kam dann Jackson vorbei, er war es, der mich fand und den Notarzt rief.

“Hey Samuel, gut siehst du aus” ich erkannte sofort, dass er gelogen hatte.

“Jackson, kommst du bitte mal zu mir” ich konnte mich nicht bei ihm bedanken. Er war schuld daran, dass ich jetzt noch lebte.

Jackson setzte sich auf mein Bett.

Ich flüsterte ihm etwas zu.

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“Samuel, Sie sind festgenommen!”

Die Handschellen schlossen sich eng um meine Handgelenke. Sie schmerzten.

“Sie können Gebrauch von Ihrem Schweigerecht machen, alles was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden.

“An Ihrer Stelle würde ich meinen Anwalt anrufen. Sie Schwein” Das letzte Wort werde ich wohl nie vergessen.

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